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Ein Festival am Niederrhein
| Wir erzählen hier die Geschichte einer wunderschönen Idee und ihrer Entstehung. Als im Jahre 1981 erstmalig Halderner Ministranten bei der Suche nach einer nicht überdachten Steckdose, in schöner Landschaft gelegen, fündig wurden, | ![]() |
Aber all das passierte auch erst viel später.
Erst einmal waren da die 14 Messdiener und Ihre beiden Oberministranten, die mit Hilfe einer Steckdose, einer Laune zur Folge,
eine Sause organisierten. Es gab Musik aus der Konserve und jede Menge Improvisationen, was den Abend zu einem unerwarteten
Erfolg werden ließ. 1982 und 1983 wurde an der Fete weiter gefeilt, und weit über 1500 Besucher fanden den Weg auf
den alten Reitplatz in Haldern. Das Ereignis hatte sich herumgesprochen, die Örtlichkeit war bekannt und somit der folgende
Schritt die logische Konsequenz; die Bands sollten selber kommen, um live zu musizieren. Um das allerdings zu realisieren, mussten
mehr Aktive und Geld her. In diesem Augenblick wurde die Idee des "Aktienprojektes" geboren. Die potentiellen Anleger
trafen sich im "Raum 3" zur Gründungsversammlung.
Jeder Interessent konnte einen Anteil im Werte von DM 500,- erwerben, womit er sich gleichzeitig zur Mitarbeit verpflichtete.
Circa 54 "Aktionäre" gewannen Spaß an dem Projekt und bildeten die Basis für das erste Halderner
Open Air Festival, das am Samstag, dem 23. Juni 1984 auf dem alten Reitplatz stattfand. The Chameleons und Nightwing aus England
sowie Herne 3 waren die ersten Kapellen, die den Weg in die niederrheinische Provinz fanden. Im Vorfeld nutzten wir die reichlich
vorhandene Arbeitskraft der "Aktionäre", um soviel Kosten wie möglich aufzufangen. Man brach für einen
Schreiner im Dorf ein ganzes Haus ab, um aus dem Dachstuhl die erste Bühne zu bauen. Von einem Bekannten, der Schwager, davon
der Bruder und dessen Nichte, die wiederum... So oder ähnlich wurden Dinge für lau "organisiert". Organisatorisch
betraten wir völliges Neuland, da wir bis dato nur Bands wie Dea Minos oder Stuff im Jugendheim organisiert hatten, die
allerdings deutsch sprachen und um die Ecke wohnten. Nichts ist unmöglich, dachten wir, und es klappte. Es war ein klasse
Festival, finanziell jedoch war die Sache mit der "Konserve" weitaus interessanter. Jeder Aktionär verlor ca.
DM 130,-, war dafür aber auch stolzer Konzertveranstalter. Gegen Pop-Musik kann man sich nicht versichern, man muss sie
genießen! So entschieden wir uns für den Spaß und gingen den wirtschaftlich unangenehmeren Weg der Live Musik.
Das folgende Jahr
mit Grobschnitt, Frantics, 42 nd street und The Radio - riss, wegen katastrophalen Wetters, ein noch größeres Loch
in unsere Kasse. Als am Festivaltag Grobschnitt anreiste, sagten sie uns, das es für alle Betroffenen am besten wäre,
in Anbetracht des Wetters erst gar nicht auszuladen, sondern gemütlich fernzusehen und keine unnötigen Kosten zu
produzieren. Genaugenommen waren sie sich nicht einmal sicher, ob unser hiesiger Landstrich noch Europa war oder ob jeder weitere
Schritt sie an den Tellerrand führen würde. Diskussionen und eine Wetterberuhigung ließen die Sache dann doch noch
stattfinden.
Der Stolz, es doch gemacht zu haben, trieb uns weiter, und im Jahre 1986 erlebten wir dann das finanzielle Debakel schlechthin.
Schlechtes Wetter und unbekannte Bands brachten uns wirtschaftlich an den Rand des Ruins, aber musikalisch erlebten wir mit
Midnite Fun, The Radio und NDAGA den Urknall. Speziell Midnite Fun tröstete uns über das finanzielle Fiasko hinweg,
weil sie ein bis heute unvergessenes Konzert gaben.
1987 - Licht am Horizont
mit Extrabreit, The Affair, The Trash und Midnite Fun wurde erstmalig mehr eingenommen als ausgegeben! Gutes Wetter und viele
"extra Breite" sorgten für den finanziellen Erfolg des Abends.
Das Festival sprach sich nun auch in Musikerkreisen herum, und die Chancen wurden größer, auch mit Bands zu arbeiten, die weiter oben auf unserer Wunschliste standen, wie z.B. Element of Crime. Plan B - damals noch völlig unbekannt und ohne Plattenvertrag - reisten für Spesen an, und The Name aus England wollten auch nicht Unmengen an Gage. 1988 war für uns ein künstlerisch entscheidendes Jahr, weil wir mit der Verpflichtung von Element of Crime und Plan B zum damaligen Zeitpunkt eine gute Nase bewiesen, was uns eine gewisse Beachtung und Kooperationsbereitschaft anderer Veranstalter und Künstler einbrachte.
Kontakte in England ergaben die erste Verpflichtung eines sogenannten "Headliners" - Fischer Z spielten damals im Paket mit BAP vier Festivals in Deutschland und im Anschluß alleine bei uns. Zusammen mit Cliff Barnes and The Fear Of Winning, Shiny Gnomes und Dear Wolf sprengte dieses Programm erstmalig die zweitausender Besuchermarke, was für unsere arg gebeutelte Initiative wie gerufen kam. Neu war in diesem Jahr die vorabendliche Sause auf dem Festivalgelände mit Musik aus der "Konserve". Dieser Abend wurde zum festen Bestandteil und ließ viele sich an die Anfänge erinnern.
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